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"Lieder wie Orkane" Tourstory 1999
"Helden leben lange - doch Legenden sterben nie" heißt es in einem Lied der Böhsen Onkelz. So und nicht anders läßt sich dann wohl auch die Rückkehr der übermächtigen  Rose Tattoo im Zuge der "Lieder Wie Orkane" Festivals umschreiben. Denn wer hätte bei der Schnellebigkeit des heutigen Geschäfts noch daran, daß eine Band nach fast 20 Jahren Abstinenz von europäischen Bühne noch eine Chance hat. Wir schreiben den 30. Juni, ca. 7 Uhr, Frankfurt Flughafen.
Ziemlich zerknittert, aufgrund des über 20 Stunden langen Fluges verbunden mit einem strickten Rauchverbot, laufen mir Peter Wells, Angry Anderson, Geordie Leach, Mick Cocks und Paul DeMarco in die Arme, um sich gleich an der nächsten Bar breit zu machen. Ohne Rücksicht auf die Flugstrapazen und die morgendliche Uhrzeit wird gleich das erste deutsche Bier  hinunter geschüttet. Angry gerät ins Schwärmen, "Mensch, daß waren wirklich 18 Jahre ich kann es kaum glauben", und widmet sich danach gleich wieder dem bemustern der anwesenden Damenwelt.
Geordie, der sich nach längerem Überreden, doch noch mal ins Rock´n´Roll Abenteuer gestürzt hat, sieht die Sache denkbar gelassener, "also für mich ist das hier Urlaub, denn seit drei Jahren arbeite ich auf der Post. Ich hab´ für die beiden Tourneen (die Band spielte im Vorfeld der "Lieder wie Orkane" Festivals" einen 2-wöchige Australien Tour) meinen Jahresurlaub nehmen müssen. Ist allerdings kein Problem, denn mein Boss ist ein Tatts Fans, was mir letztendlich auch zu dem Job verhalf. Jetzt muß seine Alte ran, bis ich wieder zurück bin, hahahah!" Kaum gesagt und schon ging´s weiter zum Anschlußflug Richtung Dortmund.

Als ich am nächsten Tag in der Ruhrmetropole eintreffe, haben es sich die Jungs bereits an der Hotelbar gemütlich gemacht. Man erholt sich sozusagen vom letzten Abend, wo die Rock Hard Kollegen zum gemütliche Beisammesein geladen hatten. Einzig Mick Cocks scheint den Einstand auf deutschem Boden etwas zu sehr gefeiert zu haben, er entschließt sich dazu den gesamten Tag auf dem Hotelzimmer zu verbringen. Ganz anders die Kollegen Geordie und Schlagzeuger Paul DeMArco. Der zweite Teil der Tatts Rhymussektion, ließ es sich nicht nehmen bereits um 9 Uhr morgens eine kleine Kneipentour durch die Dortmunder Innenstadt zu machen. "Ich hab Paul bereits um 7 Uhr am Hotelpool getroffen, und da hielten wir es für eine ganz gute Idee, um Land und Leute kennen zu lernen. Allerdings machten wir nach der 4. Kneipe halt, schließlich war es ja schon 11.00 Uhr" erzählt  unser Rock´n´Roll Tourist.
Peter und Angry kommen dagegen etwas langsamer in Fahrt, wobei Mr. Wells auch schon seine ersten Pilschen indus hat zudem weist der Aschenbecher auf eine anständige "Warmlaufphase" hin (Peter raucht ca. 3 Schachteln Zigaretten am Tag).
Dafür schlägt jetzt die Stunde von Paul, der einige seiner berüchtigten Kunststücke zum Besten gibt, wie das Abfackeln der eigenen Brustbehaarung. Die Anwesenden Gäste in unserem 4 Sterne Hotel nehmen´s zum Glück gelassen
Tourmanager Steve klärt unterdessen mit Promoter Thomas die notwendigen Details.
Gegen Nachmittag checkt man noch kurz die Location in der Westfalenhalle an. Bei Angry flammen gleich wieder die Erinnerungen auf "Oh ja, hier haben wir doch schon mal mit ZZ Top gespielt!" Na ja, so klein ist eben die Welt.
Etwas irritiert nimmt man zudem zur Kenntnis, daß die Tatts, trotz allen Ankündigungen, am nächsten Tag bereits vor Saxon, also schon um 16.00 Uhr die Bühnen entern sollen.
Bevor man sich jedoch ernsthafte Gedanken über diese Situation macht, zollt der  Jetlag Tribut und die Jungs ziehen ein Nickerchen vor.
Dafür flammt das Thema noch mal beim morgendlichen Frühstück auf. Tatsache ist allerdings, daß Saxon vertraglich den Platz vor Danzig zugesichert bekamen und somit auch keinen Grund sehen, davon abzurücken, auch wenn viele im Tourtroß und, wie sich später noch zeigen soll, der anwesenden Fans da ganz anderer Meinung sind.
Angry beendet die Diskussion mit den Worten "Ich hab jetzt 18 Jahre gewartet, um hier wieder spielen zu können, da ist es doch echt egal an welcher Stelle wir spielen, Hauptsache ist, wir spielen!"
Und das tun Sie dann auch! Schon der Soundcheck zeigt, wer die wahren Herren in der Westfalenhalle sind. Neben der gesamten Onklez Mannschaft steht auch die ganze Danzig "Backing" Band spalier, um die ersten erdigen Riffs der Kult Rocker aus Down Under zu hören. Und als der Wiederauferstandene Mick Cocks die messerscharfen Akkorde von "Remedy" durch die PA feuert, ist für alle klar "The Tatts are back". Ober- Onkel Weidner wippt euphorisch mit und lädt die Tatts beim anschließenden Smalltalk zu einem gemeinsamen Jam während des Onkelz Sets ein.
Gegen 16.00 Uhr geht´s richtig los. "Out Of This Place" gefolgt von "One Of The Boys" starten ein famosen ca. einstündiges Set. Neben den Klassikern wie "Assault and Battery", "Tramp", "The Butcher and Fast Eddie" und "Remedy" befindet sich mit "Juice on the Loose" auch ein unerwarteter Titel aus der "Scarred For Life" Ära im Repertoire. Bei den beiden folgenden Auftritte gibt´s zudem noch den Klassiker "Manzil Madness" sowie die Hymne "We Can´t Be Beaten" zu hören. Hierzu Peter, "Na ja eigentlich gab es bei uns immer so ein stillschweigendes Abkommen, daß wir zusammen mit Mick keine Songs aus der Rob Riley Ära spielen, aber irgendwie ist es jetzt doch so gekommen, was ich selbst nur begrüßen kann."
Die Fans ebenso und so werden die Tatts trotz ihres frühen Auftritts schon mächtig gefeiert, auch wenn viele Leute zu spät kommen und teilweise sogar den Auftritt verpasst haben.
"Es ist echt schade, daß die Leute nicht richtig informiert wurden, irgendwie macht hier jeder was er will", ärgert sich Angry über die Situation "aber, daß ist für uns Grund genug, bald wieder zu kommen und die Leute für alles zu entschädigen."
Weiter ging´s im Set mit "Astra Wally" und Angry schlug sich vor lauter Begeisterung das Mikro wie in alten Tagen gegen die Birne und trägt die nächsten Tage mit Stolz eine dicke Beule. Danach läßt sich der, trotz seiner 52 Jahre, wie eine Derwisch tobende und schreiende Frontmann als "Rock´n´Roll Outlaw" feiern,  bevor "Bad Boy For Love" das alles vernichtende  "Nice Boys Don´t Play Rock´n´Roll" einläutet.
Im Anschluß werden noch ein paar Bierchen gezischt und die normalerweise nie sonderlich ergriffen wirkende Truppe zeigt sich mächtig begeistert über das Geschehene.
Während sich im Anschluß der Rest der Band in alle Richtungen verstreut, warten Peter und Angry geduldig auf ihren Einsatz bei den Onkelz.
Und nach dem "Stadionklassiker" "Mexiko" ist es soweit. Onkel Gonzo stimmt zum zweiten Male an diesem Abend das "Rock´n´Roll Outlaw" Riff an, Weidner stellte der jollenden Menge, die Herren vor, "die fast schon seit unserer Kindheit der maßgebliche Einfluß für die Onkelz gewesen sind"! Peter Wells und Angry Anderson, treten gefeiert von den 4 Onklez und 15.000 Fans zum Jam an. Peter läßt dabei, wie immer cool mit Kippe, die Slide sägen, während Angry mit Onkel Kevin im Duett die Rose Tattoo Hymne herausschreit.
Die Onkelz-Anhängerschaft wippt in der Halle etwas erstaunt mit, muß sich allerdings dem Treiben auf der Bühne geschlagen geben und kann livehaftig miterleben, wie Ihre Helden eine  Legende zu feiern wissen. Nachdem Jam wird sich noch mal kräftig gedrückt und die Onkelz verabschieden sich mit "Erinnerungen" vom Dortmunder Publikum.
Pete und ich trinken daraufhin noch ein paar Bierchen an der der Bar und reden über zukünftiges. "Im Moment sieht es so aus, daß wir weitermachen werden. Aber bei Rose Tattoo weißt du ja nie! Allerdings besteht die Möglichkeit, daß wir im Herbst zusammen mit unseren Freunden von den Angels in Australien ein paar Shows spielen werden. Bei dieser Gelegenheit könnten wir dann auch ein Livealbum mitschneiden.
Zunächst müssen wir aber mal die ganze Situation verdauen und uns zusammen einig werden, wie es weiter geht!"
Zusätzlich im Gespräch für die Australien Tour sind zudem Nashville Pussy!
"Na ja, ich hab schon einiges über diese Band gehört. Die haben ja auch "Nice Boys" von uns gecovert. Sonderlich gefallen hat mir deren Scheibe allerdings nicht, hört sich stellenweise etwas dilettantisch an. Live soll´s ja ganz interessant sein, ich laß mich da mal überraschen. Vielleicht können die Girls mich ja umstimmen, hahaha."

Am Samstag morgen geht´s dann in aller Frühe nach Mannheim. Das Wetter läßt bereits am Morgen auf einen heißen Tanz schließen, zumal die Show ähnlich wie am Abend zuvor vom Außengelände in die Halle verlegt wurde.
Da der Soundcheck heute und auch morgen komplett ausfällt, fahren wir erst eine Stunde vor Show Beginn vom Hotel auf das Maimarkt Gelände.

Neben Angry, der kurz nach seinem Ohnmachtsanfall meinte, "als ich wieder zu mir kam, dachte ich nur: Sind wir jetzt fertig oder muß ich noch einen Song machen, hahaha" hat die Hitze auch Peter ziemlich geschafft, der Kollege Tschamler nur noch die Worte zuwirft, "laß uns hier abhauen und nach Heidelberg fahren".
Dem im Weg steht allerdings der auch für diesen Abend angesetzte Jam mit den Jungs aus Frankfurt. Speziell Gonzo freut sich schon wie ein kleines Kind und hat heute extra seine Frau mitgebracht, die er unbedingt Peter vorstellen will.
Nach größeren Diskussion und Überredungskünsten von Tourmanager Steve entschließt man sich allerdings dazu, erst mal ins Hotel zu fahren und die Onkelz Session für diesen Abend ausfallen zu lassen.
Paul und Mick zeigen sich von diesen Plänen allerdings weniger begeistert und ziehen einen Verbleib auf dem Festival Gelände vor.
Letztendlich scheitert auch der Heidelberg Trip, da sich sowohl Band als auch die angebotenen Begleiter mehr und mehr zerschlagen haben. Peter Wells läßt es sich allerdings nicht nehmen, zusammen mit uns, einen schönen Mannheimer Sommertag in einem Cafe ausklingen zu lassen.
Aber was heißt "ausklinken", in die "Bierseeligkeit" platzt Kollege DeMarco, der, laut Aussagen seines Kumpels Mick Cocks, "sämtliche Bierreserven im Tatts Backstage Bereich vernichtet hat und im Anschluß auch vor den Heiligen Hallen der Onkelz nicht halt machte!"
Als dort auch nichts mehr zu bekommen war, versuchte er eine Security Tante mit 10 Mark für 2 Bier zu bestechen, was ebenfalls fehlschlug, vorauf "Deutschmark Dougy" , wie man Paul fortan nur noch nennt, gleich einen "Hunni" aus der Tasche zog. Die Dame von der Security nahm mit Freuden an und Paul bekam seine beiden Bier.
Großartig bedrücken schien Dougy dieser Beschiß allerdings nicht, und so entbrannte gegen Mitternacht noch eine heiße Party an der Hotel Bar, bei der neben viel Bier auch eine Menge Deutschmark floß - "Dougy-style" eben.
Das sollte allerdings folgen haben. Und so beschuldigte man Paul am nächsten Morgen, einen paar Barhocker mit Eding beschmiert zu haben und zudem Anstifter eines von ein paar Jugendlichen entfachten Brandes bei einem benachbarten Sportgeschäft gewesen zu sein. Paul, der in jungen Jahren über solche "Lapalien" wohl nur gelächelt hätte, wußte sich über die Vorwürfe gar nicht einzukriegen, zumal sie vollkommen ungerechtfertigt waren und der Nachtportier nur einen Schuldingen für die Sauerei suchte, die anscheinend ein paar Kids angerichtet hatten.
Aber nicht nur Paul verlor am nächsten Morgen,die Fassung! Geordie konnte beim Blick auf die Telefonrechnung seinen Augen nicht trauen, denn da standen schlappe 750,- DM!
Mitnichten ein ungeheuerlicher Betrag, den auch die Tatsache, daß das Telefonat keiner 0190er Nummer, sondern seiner Angetrauten im fernen Australien galt, nicht linderte.
Nicht anders ergang es Mick, der mal eben einer Tourbekanntschaft im fernen Adelaide "hallo" sagen wollte und dafür stattliche 160,- DM berappen mußte.
So manches Hotel, daß zudem einen "internationalen" Ruf genießt, sollte sich echt mal überlegen, ob es nun mit seinem Zimmer- und Verpflegungsservice das Geld verdienen möchte, oder dies durch absolut überhöhte, sich auf veraltete Telekom Standards beziehende Gebührenabrechnungen rein holen will.
Angekommen in Salzgitter wurde zunächst mal relaxt. Wozu sich das wunderschöne Festival Gelände in Mitten eines Sees förmlich anbot. Währenddessen sammelte Danzig Basser Joey kräftig Autogramme und gestand Pete, daß er und die anderen Jungs, ausgenommen natürlich der "Schicken-Gott", riesige Fans von den Tatts sind. Zu guter letzt tauchte dann auch noch der Sänger der sehr Rammstein-lastigen Megaherz, die die Support-Rolle auf den Festivals bestritten, im Tourbus auf und beichtete, daß er ebenfalls ein totaler Rose Tattoo Fan ist und fürchterlich stolz ist, mit den Jungs auf einem Festival zu spielen. Tribut also von allen Seiten, da konnte echt nichts mehr schief gehen und selbst Saxon räumten ihren Stammplatz, um die Tatts an diesem Abend auf ihrer "eigentlichen" Position spielen zu lassen.
Und dieser wurden sie mehr als gerecht. Wie bereits zuvor in Dortmund und Mannheim, hatten Rose Tattoo auch an diesem Abend neben den Onkelz die besten Resonanzen. Kein Wunder bei dem Programm! Wobei man aufgrund des zeitlichen Rahmens und der Temperaturen, die den Jungs merklich zusetzen, auch an diesem Abend nicht dazu kam, die geplante Zugabe "Suicide City" zu spielen. Dieser kleine Schönheitsfehler fiel allerdings nicht weiter ins Gewicht .
Und außerdem wollten es die Onkelz auch noch mal von den Tatts wissen. Nach der "Absage" in Mannheim, würdigte man das Erscheinen von Peter und Angry zum "Outlaw"-Jam an diesem Abend noch mal ausgiebig und Stephan Weidner machte allen Anwesenden unmißverständlich klar, welchen Stellenwert die Australier für die Onkelz haben und hatten. Kevin Russel drückte zum Abschluß der Session den armen Angry vor Glück fast tot und beschwor ihn auf der anschließenden Backstage-Party mehrmals, daß er unbedingt wieder kommen müsse. Unterstrichen wurde diese Aufforderung durch ein Angebot vom Onkelz Management, daß die Tatts gerne auf die im nächsten Jahr stattfindende Onkelz Deutschland Tour packen würde.
Die Zeichen sind also gesetzt- Rock´n´Roll is still king!

 

by Herko

 

 
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