The Tatts@

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2000

Im Laufe der letzten Jahre hat sich der Rose Tattoo-Klassiker ‘Nice Boys’ als erschreckend prophetisch erwiesen. So weit das Auge reicht zeichnen sich nirgendwo auf der Szene eine rebellische Einstellung, geschweige denn Aufmüpfigkeit oder gar Können ab.
Es gibt weder Gemeinschaftsgefühl noch Brüderlich- oder auch Schwesterlichkeit, und schon gar keinen Zusammenhalt. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, jammert herum und kann Chuck Berry nicht von Frank Zappa unterscheiden.

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Aber jetzt gibt es endlich einen Lichtblick, und zwar dank der Rückkehr von Rose Tattoo, der lautesten, gemeinsten, absolut übelsten Rock’n’Roll-Band, die je auf unserem Planeten wandelte. Dabei ist hier keineswegs von irgendeiner der mannigfaltigen Tattoo-Inkarnationen die Rede, hier geht es um Angry Anderson, Peter Wells, Rob Riley, Steve King und Paul DeMarco.

„Ich glaube, die Welt braucht dringend eine Band wie Rose Tattoo, sowohl in einem sehr realen, körperlichen Sinne wie in ideeller Hinsicht. Wir waren uns nie zu schade und haben uns auch nicht davor gescheut, für die Underdogs dieser Welt einzutreten. Man braucht sich nur unsere Texte anzusehen – nicht nur die Worte an sich, sondern ihre tiefere Bedeutung –, um zu erkennen, dass in unseren Songs heute noch so viel Fleisch, Blut und Herz steckt wie damals. Und genau dasselbe gilt für die Band.

" Rose Tattoo war von Anfang an eine schicksalhafte Formation. 1976 suchte Peter Wells, ehemals Bassist bei der aus Sydney stammenden Combo Infamous Buffalo, der sich zum damaligen Zeitpunkt gerade an der Slide Guitar versuchte, nach Mitstreitern für eine aggressive neue Street Punk-Band. Alle Mitglieder sollten tätowiert sein, die Haare kurz tragen und sich im gleichen Stil kleiden. Ian Rilen, bis dato Mitglied bei Band Of Light, war Wells erster Rekrut.

In Melbourne gab es zu jener Zeit einen Sänger namens Angry Anderson, dessen Stimme gelegentlich an einen jugendfrischen Rod Stewart erinnerte und der gerade versuchte, seine frühere Band, die allseits berüchtigten Buster Brown, wieder zusammenzubringen oder doch zumindest den Geist dieser Gruppe noch einmal aufleben zu lassen. Er traf sich mit Wells, und die Chemie zwischen den beiden stimmte auf Anhieb. Mick Cocks, ein Melbourner Kumpel von Angry, stieß kurz darauf mit seiner Rhythmusgitarre dazu, und Dallas ‘Digger’ Royal, ebenfalls ein Kollege von Angry, übernahm die Drums.

Mit einem Sound, der an Blues, die Stones und die Faces denken ließ, bestritten Rose Tattoo ihren ersten Gig am Neujahrsabend 1979 im Chequers, wo auch AC/DC ein paar Jahre zuvor ihren Debütauftritt hinter sich gebracht hatten. Das ungewohnte Aussehen der Band, gekoppelt mit ihrem hemmungslosen Sound und der ohrenbetäubenden Lautstärke lehrte gewisse Leute das Fürchten und erregte auf jeden Fall das Interesse der Jungs in Grün, denen so etwas wie Rose Tattoo im Leben noch nicht untergekommen war. Dabei waren die Musiker selbst nie auf derartige Reaktionen aus. Einen nachhaltigen Eindruck allerdings hinterließen Rose Tattoo in den Seelen des Rock’n’Roll-Publikums. Die Fans hatten die Nase voll vom Radiomainstream und wollten auch nicht länger stundenlang in einer Disco herumsitzen, um mit etwas Glück irgendwann im Laufe des Abends einen Song zu hören, der ihrem Geschmack entgegenkam. Diese Kids verstanden instinktiv, worum es bei Rose Tattoo ging, und sie brauchten keine große Erklärungen. Die Outlaws hatten eine Band gefunden, die ihnen aus der Seele sprach. Endlich.

Rose Tattoo unterschrieben einen Vertrag bei Albert Productions, bei denen der australische Rock’n’Roll der härteren Machart, so auch AC/DC und die Angels, eine Heimat gefunden hatte. Hausproduzenten der Firma waren die durch die Easybeats bekannt gewordenen legendären Harry Vanda und George Young.

Die erste Tattoo-Single, Ian Rilens ‘Bad Boy For Love’, schlug im Radio wie eine Rakete ein, obwohl Rilen selbst schon vor Erscheinen der Platte die Segel gestrichen hatte. 1978 folgte das selbstbetitelte Debütalbum, auf dem sich Geordie Leach, Andersons Weggefährte aus Buster Brown-Tagen, am Bass vorstellte. Die nächsten Jahre verbrachte die Band unermüdlich ‘on the road’, trieb dabei die Kneipenbesitzer mit ihrem Hunger nach immer mehr Dezibel in den Wahnsinn und brachte die Fans mit ihrer kompromisslosen ‘Death Before Dishonour’-Einstellung um den Verstand.

Das zweite Album Assault and Battery erschien 1981. Zu dieser Zeit befanden sich Rose Tattoo bereits auf einer Zerstörungsmission durch Europa. Sie wurden als die neuen Metal-Gurus gefeiert, und Künstler wie ZZ Top oder Iron Maiden standen Schlange, um die Band live zu erleben und – um Pete Townsend von The Who zu zitieren – „sich die Gehörgänge vergewaltigen zu lassen". Bei der einflussreichen britischen Musikpresse galt die Band als Titelseitenmaterial, und Kritiker feierten sowohl ihren Erstling, der inzwischen in Rock’n’Roll Outlaws umbenannt worden war, wie Assault and Battery. Im Londoner Marquee wurde ihnen obendrein die Ehre zuteil, die lauteste Band seit Led Zeppelin zu sein. Zu diesem Zeitpunkt nahm Mick Cocks seinen Hut und wurde durch den früheren Dallimore-Gitarristen ‘Rockin’ Robin Riley ersetzt. Rose Tattoo hatten sich inzwischen zu einer Art Rock’n’Roll-Samurai entwickelt: Angry verlor regelmäßig auf der Bühne das Bewusstein oder stand blutüberströmt und von Emotionen überwältigt vor seinem Publikum. Ihr drittes Werk Scarred for Life (1982) sagte mehr als tausend Worte.

Die nächste Station auf ihrem Eroberungszug um die Welt war Amerika, wo sie mit Aerosmith und ZZ Top durch die Lande zogen. In Indiana faszinierte ihre Show einen Teenager namens William Bailey, der später unter dem Namen Axl Rose in die Musikgeschichte eingehen sollte. Dann verabschiedete sich Wells 1983, gefolgt von Royal.

Zehn Jahre später tat sich die Band auf Bitten ihrer treuen Fans, namentlich: Guns N’Roses, die inzwischen ‘Nice Boys’ gecovert hatten, mit Paul De Marco am Schlagzeug wieder zusammen und trat als Opener bei der 1993er Australien-Tour der Gunners auf. Am Abend vor ihrem Auftritt im Calder Park in Melbourne gesellten sich Slash und Duff zu Anderson & Co. auf die Bühne – ein Zusammentreffen von zwei Rock’n’Roll-Generationen, von denen sich allerdings die Guns N’Roses-Mitglieder als die Beeindruckteren erwiesen. Und jetzt bringen Rose Tattoo ihren einzigartigen, leidenschaftlichen Rock’n’Roll aufs Neue unter das Volk.

Im Jahre 1999 tauchten Rose Tattoo erneut in Europa auf, und spielten unter dem Oberbegriff ´Lieder wie Orkane 3`(feat. Böhse Onkelz, Saxon & Danzig) einige spektakuläre Konzerte. Wie kommentierte das Dortmunder Metal Magazin Rock Hard das Konzert in der hiesigen Westfalenhalle so treffend: „Hier gingen fünf absolute Vollblutmusiker zu Werke, die sich trotz ihres Alters jenseits der 50 den Arsch aufrissen und echten Rock´n´Roll-Spirit verbreiteten." Ähnliches wiederholte sich nur ein Jahr später, als die Band beim 2000er Wacken Open Air einer zum Teil blutjungen Festivalgemeinde anschaulich vorführte, wie echter Rock´n´Roll geschmiedet wird. Die Musiker nutzten die fabelhafte Atmosphäre von 23.000 Besuchern, um hier die Songs für 25 To Life aufzuzeichnen. Ein weiser Entschluss, wie die nun vorliegenden Aufnahmen beweisen. Dass die Wacken-Performance nicht die letzte Stippvisite in Deutschland bleiben wird, steht schon jetzt fest. Bereits im Sommer des kommenden Jahres werden Angry & Co. erneut deutsche Bühnen unsicher machen. Und – was soll man sagen – natürlich freuen sich die Herren schon jetzt darauf: „Endlich gibt es wieder Sex und Drogen, und wir können die Verstärker anderer Leute in die Luft jagen", grinst Tattoo-Gründer Pete Wells. „Auf jeden Fall wird es hässlich und laut – was natürlich einige von uns mehr betrifft als andere."


 
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